Renaissance-Humanismus und LLMs: Ein zeitübergreifender Dialog
Dieser Artikel untersucht die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der humanistischen Bildung der Renaissance und modernen Large Language Models (LLMs). Anhand von Beispielen aus Erasms *Ciceronianus* und Rabelais' *Gargantua und Pantagruel* wird gezeigt, dass Humanisten ihre Schreibfähigkeiten durch die Nachahmung klassischer Autoren trainierten, ähnlich wie LLMs Texte durch das Training auf Korpora generieren. Humanistisches Schreibtraining kann jedoch auch zu einer verallgemeinerten Ausdrucksweise führen, der es an Spezifität und kommunikativer Kraft für bestimmte Situationen mangelt, ähnlich wie LLMs manchmal scheinbar plausible, aber faktisch unzutreffende „Halluzinationen“ produzieren. Der Artikel betont schließlich die Bedeutung von Zuhören und Antworten in der zwischenmenschlichen Kommunikation und warnt vor der Instrumentalisierung von Sprachgenerierungswerkzeugen. Die Konzentration auf die soziale und interaktive Natur von Sprache ist entscheidend für eine effektive Kommunikation.